Die Wirkung des Beispiels Verwaltung als Dienstleistung
und Wirtschaftsförderer Es geht doch
Altenburg.Die Effekte eines gemeinsamen Vorgehens und gemeinsamer Projekte zwischen Politik und Wirtschaft für eine Region schilderte in einer Beispielpräsentation der Landrat des Hochsauerlandkreises, Franz-Josef Leikop. Der Wirtschaftsverein hatte den Landrat nach Altenburg eingeladen, weil der Hochsauerlandkreis beispielhaft und eindrucksvoll den Wandel einer Verwaltungsbehörde zu einem Dienstleister für die Region vollzogen habe. Diesbezüglich freute den Wirtschaftsverein, dass unter den Gästen des Abends in der Altenburger Destille zahlreiche Bürgermeister, Dezernenten und Amtsleiter des Altenburger Landes waren. Der von der Wirtschaft des Altenburger Landes mit Beifall aufgenommene Kernsatz des Vortrags von Franz-Josef Leikop, traf dabei den Nerv der Forderungen des Wirtschaftsvereins seit zwei Jahren: Verwaltungen sind dazu da, der mittelständischen Wirtschaft zu helfen und diese nicht zu blockieren. Diesem Credo fühle sich der Hochsauerlandkreis verpflichtet, so Leikop, der selbst aus der Wirtschaft kommt und mit einer umfassenden Verwaltungsreform in seinem Haus in den letzten vier Jahren ein entsprechendes Dienstleistungsmanagement aufbaute. Wir brauchen in der öffentlichen Verwaltung wieder mehr Indianer und weniger Häuptlinge, begründete Franz-Josef Leikop letztlich seine Motivation, auch deshalb die ursprünglichen fünf Verwaltungsebenen in seinem Haus auf zwei zu reduzieren. In diesem Zuge habe seine Verwaltung hundert Stellen abbauen müssen, aber wir sind heute schneller und meine Mitarbeiter zufriedener denn je. Ein bekanntes nationales Meinungsforschungsinstitut (Die deutschen Verwaltungen schrecken in der Regel vor solchen Mitarbeiterbefragungen zurück.) habe in seinem Haus eine 88prozentige Zufriedenheit unter den Mitarbeitern ermittelt, der Krankenstand liegt auf einem deutschen Rekordwert von 2,9 Prozent.
Inhaltliche Neugliederungen in der Verwaltung führten dazu, dass heute selbst Sachbearbeiter, z. B. im Baugenehmigungsamt, unterschrifts- und damit genehmigungsberechtigt sind. Mit Laptop und Handy ziehen die Mitarbeiter der Kreisverwaltung als Lotsen zu den Unternehmen und klären mit ihnen vor Ort die Probleme. Der Unternehmer hat anderes zu tun, als in unsere Verwaltung zu kommen und Formulare auszufüllen. Er muss etwas unternehmen, muss investieren und Arbeitsplätze schaffen. Dafür müssen wir ihm danken. Also gehen wir zu ihm, füllen für ihn die Formulare aus und erledigen für ihn die Anfragen bei allen Behörden, die z. B. im Baugenehmigungsverfahren befragt werden müssen. Wir holen alle an einen Tisch in dem jeweiligen Unternehmen. Wir weisen dem Unternehmer den Weg durch den Paragraphendschungel und lassen ihn nicht blind laufen, umriss Franz-Josef Leikop, teilweise unter Staunen oder aber zustimmenden Nicken im Saal, das Dienstleistungsverständnis in seinem Haus. Baugenehmigungszeiträume von sechs Wochen bis zu maximal drei Monaten seien die Regel. Wir sind in der Lage, innerhalb von acht Tagen eine Teilgenehmigung zu erteilen. Damit können die investitionswilligen Unternehmen bereits kurzfristig und parallel zu dem Genehmigungsverfahren mit dem Bau beginnen. Wir sichern, dass zu jeder weiteren Baustufe die erforderlichen Genehmigungen vorliegen. Auf diesem Weg sei es wiederholt gelungen, die Abwanderung von mittelständischen Unternehmen in verkehrs- oder steuergünstigere Gebiete im Grenzbereich zu Deutschland zu verhindern oder aber Investitionsumfänge von über 20 Millionen Mark in die Region zu holen. Wenn heute der Hochsauerlandkreis eine Arbeitslosenquote unter sieben Prozent konstatiert, in den Städten teilweise mit vier bis fünf Prozent bereits in einem Stadium der Vollbeschäftigung liege, sei dies auch ein Ergebnis dieses Handelns. Dabei liegen Großstädte um uns herum auch bei 15 bis 20 Prozent. Nicht zuletzt hatten wir vor Jahren eine Arbeitslosenquote, die mit dem im Altenburger Land vergleichbar ist.
Neben dem Lotsendienst führte der Hochsauerlandkreis die sogenannte Jobrotation ein. Wer nicht in drei Fachdiensten in unserer Verwaltung gearbeitet hat, wird nicht befördert, so Leikop. Zudem tauschen Wirtschaft und Verwaltung untereinander Mitarbeiter aus, um sich gegenseitig kennen und verstehen zu lernen. Auch der Bürger habe die Verwaltungsreform spüren können. Seit 1995 werden am Bürgertelefon 90 Prozent der Anrufe innerhalb von 24 Stunden erledigt. Nicht zuletzt lassen wir heute jeden Sonnabend vormittag 200 Kraftfahrzeuge in unserem Straßenverkehrsamt zu. Wir müssen eben als Verwaltung begreifen, dass wir zu Zeiten öffnen müssen, in denen andere Zuhause sind und Zeit haben, zu uns zu kommen.
Seine eigene Aufgabe in der Verwaltung bestehe, so Franz-Josef Leikop, einzig darin, zu führen (Die Fach- und Sacharbeit können meine Mitarbeiter viel besser als ich.): Leistung fordern und menschlich führen, dabei erreichen, das Beamte, Angestellte und Arbeiter in der Verwaltung auf einer Stufe kollegial miteinander umgehen und jeder seine Verantwortung lebt.
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