Wirtschaftsverein verleiht Jahrespreise
»Joker 1999« geht nach Wintersdorf
Verwaltungsrat der Sparkasse erhält »Schwarzen Peter«
Altenburg, 22. Oktober 1999. Der Bürgermeister der Gemeinde Wintersdorf, Thomas Reimann, und der Verwaltungsrat der Sparkasse Altenburger Land erhalten in diesem Jahr den »Joker« bzw. den »Schwarzen Peter« des Wirtschaftsvereins Altenburger Land e.V. Das gab der Vorstand des Vereins jetzt bekannt. Der Wirtschaftsverein Altenburger Land e.V. zeichnet mit den undotierten Preisen alljährlich Verwaltungen und öffentliche Institutionen oder Einzelpersonen aus, deren Leistungen als beispielhaft oder aber besonders kritikwürdig mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Altenburger Land erachtet werden. Der Ruf eilt einer Region voraus, kündet von dem Klima in dieser, wirkt anziehend oder stößt ab. Das trifft auch für die Wirtschaft zu, für Investitionsentscheidungen und Ansiedlungsstrategien, begründet der Vorstand des Vereins das Auswahlkritierium »Image«, das diesmal bei der Vergabe den wesentlichen Ausschlag gab.
Mit dem Joker 1999 des Wirtschaftsvereins Altenburger Land e.V. ausgezeichnet wird in diesem Jahr der Bürgermeister der Gemeinde Wintersdorf, Thomas Reimann. Mit dieser Prämierung würdigt der Wirtschaftsverein Altenburger Land e.V. das große und erfolgreiche Engagement für die Entwicklung eines »Wir-Gefühls« in der Gemeinde, das über Wintersdorf hinaus auf die gesamte Region ausstrahlt. Mit der Förderung eines vielfältigen gemeinsamen Erlebens habe die Gemeinde Wintersdorf eine wichtige Voraussetzung für eine wirtschaftliche Erholung im Altenburger Land geschaffen. Es gehe dabei nicht nur schlechthin um ein intaktes Vereinswesen oder Veranstaltungen mit nahezu durchweg überregionaler Anziehungskraft. Wir erkennen mit der Preisverleihung nicht zuletzt an, dass die Gemeinde Wintersdorf verstanden hat, die ihr zur Verfügung stehenden Mittel zu erkennen sowie konsequent und zielstrebig zum Gemeinwohl einzusetzen, so der Vorstand. Neben der angesprochenen »Erlebniswelt Wintersdorf« habe sich in der Gemeinde auch das äußere Erscheinungsbild im zurückliegenden Jahrzehnt umfassend und dennoch im dörflichen Stil verändert. Verkehrsinfrastrukturell habe die Gemeinde ihre Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation aus Sicht des Wirtschaftsvereins bestmöglich ausgeschöpft.
Nicht zuletzt gründet sich ein intaktes und in Wintersdorf vorhandenes Vereinswesen auf einem gut entwickelten Mittelstand in der Kommune. Der Wintersdorfer Gemeinderat bemüht sich augenscheinlich um diesen »gemeindeeigenen« Mittelstand. Dies beginne alljährlich beim Wintersdorfer Neujahrsempfang und werde ebenso in einer wirtschaftsnahen Verwaltungsarbeit über das Jahr hinweg fortgesetzt. Wir erachten dies als beispielgebend auch für andere, die im Altenburger Land in politischer Verantwortung stehen, meint der Vereinsvorstand und wünschte dem Preisträger: Der Joker des Wirtschaftsvereins Altenburger Land solle nicht zuletzt die weiteren wirtschaftlichen Pläne der Gemeinde bei der Besiedlung des Gewerbeparks Wintersdorf und der Entwicklung des Naherholungsgebietes Haselbacher See befördern.
Inkonsequenz führte zu Imageschaden für die ganze Region
Der »Schwarze Peter 1999« geht an den Verwaltungsrat der Sparkasse Altenburger Land. Der Verwaltungsrat habe es nicht verstanden, die öffentlich ausgetragenen Personalquerelen auf der Vorstandsebene der öffentlich-rechtlichen Einrichtung konsequent zu verhindern. Bereits im Vorfeld des Konflikts wurden die Ursachen für diesen Konflikt nicht beseitigt. Damit mutete der Verwaltungsrat der Bevölkerung und der Wirtschaft des Altenburger Landes eine unwürdige Debatte und unnötige Irritationen zu. Der Sparkasse Altenburger Land und dem gesamten Landkreis wurden durch das inkonsequente Vorgehen ein Imageschaden beigefügt. Der Verwaltungsrat der Sparkasse Altenburger Land verkennt offenbar die imagebildende Kraft und die Verantwortung des von ihm im öffentlichen Auftrag geführten Instituts für das Gemeinwohl, so der Vorstand. Es sei in den letzten Monaten in Altenburg und im Umland ein offenes Geheimnis gewesen, dass Mitglieder des Vorstandes der Sparkasse nicht zu einer harmonischen Zusammenarbeit zum Wohl des Unternehmens finden konnten. Dies ist auch dem Verwaltungsrat nicht verborgen geblieben. Das Gremium jedoch habe diesen unvertretbaren, über knapp zwei Jahre andauernden Zustand offenbar geduldet. Dabei ist es nebensächlich, ob dieser Zustand akzeptiert oder die Brisanz eines solchen Konflikts auf den weiteren Werdegang der Sparkasse nicht erkannt wurde. Mit seinem Verhalten habe der Verwaltungsrat aus heutiger Sicht eine mögliche nachteilige Entwicklung der Sparkasse in Kauf genommen. Ebenso vermochte es der Verwaltungsrat nicht, durch ein konsequentes Krisen- und Personalmanagement weiteren Schaden von der Sparkasse abzuwenden, nachdem der Sparkassen-Eklat zwischen zwei Vorständen medienöffentlich wurde.
Dass hierbei der Verwaltungsrat durch die Preisgabe von Personalinterna aus dem Auswahlverfahren sogar als Gremium diskreditiert wurde, blieb ohne ersichtliche Konsequenz. Die erfolgte Beurlaubung der beiden betroffenen Vorstandsmitglieder führte lediglich das inkonsequente Vorgehen des Verwaltungsrates als Kontrollgremium des Sparkassenvorstandes fort. Die vertraglich bedingte (und in normalen Verfahren durchaus übliche) Fortzahlung der Bezüge für beide Vorstände bis zur fristgemäßen Kündigung stelle zudem keinen sparsamen Umgang mit Geldern des öffentlich-rechtlichen Instituts dar. Offenbar ganz ausser acht gelassen wird die öffentliche Wirkung der aus den Gleisen geratenen Personalsituation für die Region und für ihre Wirtschaft. Auch in der Innenwirkung wird die Sparkasse Altenburger Land Folgen dieses unter der Gürtellinie ausgetragenen Personalduells verarbeiten müssen. Der Verwaltungsrat als Gremium zur Auswahl und zur Kontrolle des Vorstandes hat sich selbst diskreditieren lassen. Dies werde sich unweigerlich auf die qualifizierte Neubesetzung der demnächst vakanten Positionen auswirken.
Wirtschaftsverein dankt Mitarbeitern der Sparkasse für ihr bisheriges Engagement
Der »Schwarze Peter« der Wirtschaft des Altenburger Landes soll deshalb nicht nur eine erbrachte kritikwürdige Leistung im Landkreis prämieren, sondern zugleich den Verwaltungsrat der Sparkasse Altenburger Land zur umgehenden Klärung der entstandenen Situation aufrütteln. Wir können uns als Region eine solche Rufschädigung nicht leisten. Die Sparkasse Altenburger Land ist einer der größten öffentlichen Arbeitgeber im Altenburger Land, gehört zu den stabilsten Sparkassen im Verbund Hessen-Thüringen und machte in Aktionen wie »Standort: Hier!« selbst unmissverständlich klar, welche wirtschaftliche Verantwortung sie für die Region trägt. Dieser Verantwortung muss der Verwaltungsrat der Sparkasse Altenburger Land in jeder Situation gerecht werden. Jetzt kommt es darauf an, entstandene Irritationen schnell und durch klares Handeln wieder auszuräumen. Ausdrücklich hebt der Vorstand des Wirtschaftsvereins Altenburger Land e.V. hervor, dass mit der Preisverleihung nicht das Engagement der Sparkasse Altenburger Land für eine wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises und für Wirtschaftsunternehmen geschmälert werden soll. Wir schätzen die Leistungen der Sparkasse Altenburger Land und ihrer Mitarbeiter für das Gemeinwohl des Landkreises sehr hoch ein und danken den Mitarbeitern für ihre Arbeit. Um so unverständlicher ist es uns, dass der Verwaltungsrat diesem Leistungsanspruch, dem sich die Mitarbeiter gestellt haben, mit der von uns kritisierten Inkonsequenz in der Personaldebatte selbst nicht entsprochen hat.
Der Wirtschaftsverein Altenburger Land e.V. wird die Preisträger für den »Joker« und den »Schwarzen Peter« traditionell auf der Jahreshauptversammlung des Vereins im November auszeichnen. Die für die Altenburger Region symbolträchtigen Preise werden in diesem Jahr zum zweiten Mal vom Wirtschaftsverein Altenburger Land e.V. ausgelobt. Im letzten Jahr erhielten der Bürgermeister der Stadt Schmölln, Herbert Köhler, sowie Jürgen Fröhlich, Sachgebietsleiter der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg, den »Joker 1998« sowie der Altenburger Bürgermeister Rolf Bräunig den »Schwarzen Peter 1998«.
Insgesamt waren dem Verein in diesem Jahr zwölf schriftliche und zahlreiche mündliche Vorschläge zugegangen. Diese wurden geprüft und bewertet. Ein Großteil der Vorschläge für den »Schwarzen Peter« bezogen sich dabei auf kommunal vergebene Baumaßnahmen und auf die Herbeiführung unnötiger Verkehrsprobleme.
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